Verenas Empfehlung:
Ein kleines Dorf in Holland, fest im Griff der orthodox-kalvinistischen Kirche. Es ist Winter, kurz vor Weihnachten und die 12-jährige namenlose Ich-Erzählerin, die mit ihrer Familie auf einem Bauernhof lebt, befürchtet, dass ihr Vater heimlich ihr Kaninchen mästet, um es zu Weihnachten auf den Tisch zu bringen. Sie hängt sehr an dem Tier und betet, dass Gott doch stattdessen auch ihren älteren Bruder nehmen könnte.
Das Unbegreifliche passiert, der Bruder bricht beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und stirbt. Wahnsinnig vor Trauer droht die Familie in der Folgezeit komplett zu zerbrechen, weil jeder gefangen anders mit ihr umgeht. Die Eltern verschließen sich komplett voreinander und vor den verbleibenden drei Kindern. Diese müssen, völlig auf sich allein gestellt, versuchen, nicht nur mit dem Verlust ihres ältesten Bruders, sondern auch mit dem langsam einsetzenden Erwachsenwerden und den entsprechenden Veränderungen zurecht zu kommen.
Dieses Buch hat mich an meine Grenzen gebracht. Die Sprache der jungen Holländerin (Jahrgang 1991) ist klar, reduziert, schnörkellos, zuweilen sogar fast kindlich, was mit der Ich-Erzählperspektive zusammenhängt, aber von schwer zu überbietender Wucht ist. Durch die Erzählperspektive ist man als Leser*in unmittelbar in der Geschichte und an den Protagonist*innen verhaftet. Das habe ich beim Lesen als extrem schmerzhaft empfunden, die Einsamkeit und Verlorenheit jeder einzelnen Figur ist überwältigend und mehr als einmal konnte ich das Weinen nicht zurückhalten. Vor allem das Ende hat mich tatsächlich verstört und ich brauchte eine ganze Weile bis ich mich diesem krassen Eindruck entziehen konnte. Trotz allem ist es ein phantastischer Roman, wie ich ihn in der Form noch nicht oft gelesen habe und den ich vorbehaltlos jedem ans Herz legen möchte, auch wenn er einem beim Lesen einiges abverlangt.