Beschreibung
Die Geschichte einer einzigartigen Frau. In der ebenso faszinierenden wie gefährlichen Welt der römischen Aristokratie, in der jeder noch so kleine Fehler zum eigenen Untergang führen konnte, folgt der Roman Agrippina durch das Netz der Intrigen, das nicht nur von ihr gesponnen wurde, und dem sie letztlich zum Opfer fallen sollte. Agrippina die Jüngere wird im Jahr 15 n. Chr. als Tochter des römischen Feldherrn Germanicus in die julisch-claudische Dynastie hinein geboren. In dieser Welt gelten die alten römischen Tugenden nicht mehr. Verrat, Mord und Tod sind an der Tagesordnung. Agrippina erlebt, wie ihr Vater Opfer eines Giftmordes wird, ihre Mutter auf die Insel Pandateria verbannt wird, ihr Bruder - Kaiser Caligula - dem Wahnsinn verfällt. Doch Agrippina weiß sich im gefährlichen Umfeld des römischen Hofes zu behaupten, denn sie ist schön, in hohem Maße ehrgeizig und intelligent. Skrupellos nimmt sie jede Möglichkeit wahr, Einfluss zu nehmen. Sie heiratet dreimal, mordet und intrigiert. Schließlich steigt sie als Ehefrau ihres Onkels Claudius zur Kaiserin auf. Endlich an der Macht, doch noch lange nicht am Ziel ihrer ehrgeizigen Pläne, manipuliert sie ihren Ehemann und ihren Geliebten Pallas. Ein gewagtes Spiel, doch sie setzt alles daran, ihren Sohn Nero auf den Thron zu bringen. Sie ist bereit, selbst ihr eigenes Leben diesem Ziel unterzuordnen: "Mag er mich töten, wenn er nur herrscht." Vor dem Hintergrund sorgfältig recherchierter historischer Begebenheiten nimmt Ute Schall den Leser mit auf eine Achterbahn der Ereignisse. Mit großer erzählerischer Kraft entwirft sie die Lebensgeschichte einer der außergewöhnlichsten Frauengestalten der römischen Geschichte, deren Einfluss bis heute sichtbar ist. Ihre Memoiren dienten Tacitus und anderen Historikern als Quelle. Als Kaiserin ließ sie ihren Geburtsort Köln in Colonia Agrippinensis umbenennen.
Autorenportrait
Ute Schall wurde 1947 in Buchen/Odenwald geboren. Nach dem Studium der Rechtspflege veröffentlicht sie seit 1980 zahlreicher Essays über althistorische, vornehmlich altrömische Themen. Seit jungen Jahren hat Ute Schall ein großes Interesse an Geschichte, vor allem der Antike. Seit Beginn der 80er Jahre ist sie Sammlungsleiterin der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Bezirksmuseums Buchen. Ab 1979 unternahm sie ausgedehnte Reisen in die klassischen Mittelmeerländer und leitete Führungen zu antiken Stätten. Als Gastdozentin der Volkshochschule hält sie zahlreiche Vorträge und gibt Seminare über antike und frühchristliche Geschichte.
Leseprobe
Tragödien: Antonella, die Gaius in seinem Siegeszug ebenfalls nach Rom zurückgeführt hatte und die ihr Glück über die unverhoffte Heimkehr kaum fassen konnte, hatte Mühe, den kleinen Nero, den Agrippina ihrem Gatten erst einige Jahre nach der Hochzeit pflichtgemäß geschenkt hatte, zu bändigen. Hatte man überhaupt noch auf einen Erben gehofft? "Bei allen Göttern Roms!", fluchte sie. Sie hatte schon viel gesehen und in diesem Haus schon manchen ungezogenen Nachwuchs erlebt, aber einer wie Nero war ihr doch noch nicht untergekom-men. Kein Wunder!, dachte sie. Sein Vater hatte ja vorausgesagt, von ihm und Agrippina könne unmöglich ein gutes Früchtchen kommen. Der Bengel war noch keine vier Jahre alt und verstand es schon prächtig, sie und seine Mutter gegeneinander auszuspielen. Selbst beim geringsten Tadel der Erzieherin flüchtete er sich laut heulend, als wäre er zumindest geschlagen worden, in Agrippinas Schoß, die zu vernarrt in ihren Sprössling war, um zu begreifen, dass sie hätte Antonellas Partei ergreifen sollen. Stattdessen streichelte und liebkoste sie ihren missratenen Jungen, bis er sich beruhigt und ihr das Versprechen abgetrotzt hatte, die böse Sklavin zu bestrafen. Es ist nicht gut, dachte die alte Frau, wenn Eltern zu lange auf ihre Kinder warten müssen. Sie neigen dann leicht dazu, sie allzu sehr zu verwöhnen. Umgekehrt suchte er bei Antonella Zuflucht, wenn er sich über seine Mutter geärgert hatte. Dazu genügte schon, dass sie ihm, etwa weil Lepidus in der Nähe war, nicht ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte. Überhaupt Lepidus! Ihn konnte er gar nicht leiden, ihn hasste er geradezu. Wenn er erst Kaiser wäre, würde er es Lepidus schon zeigen. Dann würde er ihn einen Kopf kürzer machen lassen! "Böse Mutter!", beschwerte er sich trotzig und war auch mit noch so vielen guten Worten nicht davon zu überzeugen, dass Erwachsene auch einmal unter sich sein mussten. "Blöder Lepidus!", schimpfte er. Wann immer er ihm begegnete, streckte er ihm die Zunge heraus, und der Beleidigte hatte alle Mühe, seinen Zorn auf den ungeratenen Knaben zu beherrschen. Wie gern hätte er ihn einmal verprügelt, was dem Jungen sicherlich nicht geschadet hätte, zumal sich sein Vater nicht um ihn kümmerte. Aber er wusste, dass Agrippina ihm das niemals verziehen hätte. "Armes Rom!", flüsterte er vor sich hin. "Möge das Schicksal verhüten, dass du einmal in seine Fänge gerätst!" Der kleine Nero war nicht nur trotzig und eigensinnig, er war auch ein unansehnliches Kind. Sein feistes Gesicht wies eine rötliche Färbung auf, und auch das struppige Haar war von roten Fäden durchzogen. Ahenobarbus, dachte Lepidus. Rotbart. Das Erbe seiner Vorfahren. Die Natur hatte es mit diesem Menschenkind wahrlich nicht gut gemeint. Wäre sein Wesen wenigstens erträglich gewesen! Agrippina würde mit ihm noch manche Überraschung erleben, überhaupt, wenn sie sich nicht endlich zu strengen Erziehungsmethoden aufraffen konnte. Auch um Agrippina machte sich die Sklavin Sorgen. Sie hatte doch ihrer alten Herrin noch auf dem Sterbebett versprochen, sich um die Tugendhaftigkeit ihrer Töchter zu kümmern. Und jetzt! Die junge Frau war ihrem Einfluss völlig entglitten und tat, was sie wollte, ohne sich um Anstand und Moral zu kümmern. Und was das Schlimmste war: Sie fand nichts dabei. Im Gegenteil! Sie schien es zu genießen, dass sie als lasterhaftes und männerverschlingendes Ungeheuer in der ganzen Stadt im Gespräch war, dass sie die Kolumnen der römischen Gazetten beherrschte und auf jedem öffentlichen Fest, bei jeder privaten Einladung für reichlich Unterhaltungsstoff sorgte. Und jetzt noch dieser Lepidus, der sich, allen Gesetzen wider den Ehebruch zum Trotz, an eine verheiratete Frau herangemacht hatte, mochte deren Mann auch ein noch so großer Lump sein. Vielleicht hätte man Agrippina doch besser diesem Lepidus gegeben. Aber es war müßig, darüber jetzt noch nachzudenken. "Das ist nicht die feine römische Art, mein Kind." Antonella schüttelte missbilligend den K
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung
Hersteller:
Bedey und Thoms Media GmbH
kontakt@bedey-media.de
Hermannstal 119k
DE 22119 Hamburg