Beschreibung
Godric End, ehemaliger Auftragsmörder auf der Swimming Island, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:
Die Suche nach meiner Schwester führt mich nach Treedsgow. Ich bin halb erfroren und ausgehungert, als ich dort ankomme. Die einst wohlhabende Stadt wird von Banditen beherrscht. In der Nervenheilanstalt Sankt Laplace macht der Leiter fragwürdige Experimente an Menschen.
Ich vertraue niemandem, aber ich wage zu hoffen. Ich bin ein Lügner. Ein Dieb. Ein Killer. Um meine Ziele zu erreichen, ist mir jedes Mittel recht. Trotzdem nennt man mich einen Helden. Aber die Wahrheit über mich ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.
Wer immer noch glaubt, die Magie sei ein Mythos, hat die Zeichen nicht gesehen. Sie war lange verschollen, aber jetzt wagt sie sich langsam hervor und zeigt mir die Welt hinter den Spiegeln. Währenddessen verlöschen die Sterne.
Ihr sollt meine Geschichte hören. Von meiner Zeit in Treedsgow und meiner Begegnung mit dem König der Banditen. Von meinen unfassbaren Entdeckungen in der Nervenheilanstalt Sankt Laplace, von der Welt hinter den Spiegeln und dem Untergang der Welt.
Finster, bedrohlich und unglaublich mitreißend.
Autorenportrait
Carl Wilckens, Jahrgang 1990, gehört zu der Generation, die von Fantasy-Literatur geprägt aufgewachsen ist. Zu seinen ersten literarischen Kindheitseindrücken gehören Vorlesestunden, gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern, die seine spätere Leidenschaft für das Lesen und Schreiben entfachen halfen.
Sein Maschinenbau-Studium führte den Jung-Autoren vom Niederrhein in den Ruhrpott nach Duisburg. Hier widmet er sich neben dem Studium und der Schriftstellerei in seiner Freizeit dem Geigenspiel, dem Sprachenstudium und dem Zeichnen von Cartoons.
Bewusst hat der Autor sich für ein technisch-mathematisches Studium entschieden: "Ich wollte vermeiden, dass meine Leidenschaft - das Schreiben - der beruflichen Routine verfällt", so Wilckens.
In seinem Erstling verbindet er an ausgewählten Stellen auf beeindruckende Weise Fantastisches mit technischem Verständnis und naturwissenschaftlichem Know-how. Außer Romane schreibt Carl Wilckens Kurzgeschichten und Gedichte, die er in Ausschnitten auf der Leipziger Offenen Bühne bereits der Öffentlichkeit vorgestellt hat.
Leseprobe
Blackworth[] Zellenblock 13 schwieg. Es war ein mehrstimmiges Schweigen, das sich nach dem Mord, der auf dem Zellengang geschehen war, zu den Insassen gesellt hatte. Da waren Männer, die genugtuend schwiegen. Ends Stärke und Grausamkeit, sie waren der Grund dafür, dass er zur Symbolfigur des Bürgerkriegs geworden war. Ihretwegen verspürten sie Hoffnung. Denn die an Grausamkeit grenzende Ungerechtigkeit des Bergmannsadels konnte nur mit ebensolcher bekämpft werden. End mochte behaupten, er habe stets seine eigenen Interessen verfolgt. Aber solange er gegen den Schwarzen Baron kämpfte, so dachten sie, kämpfe er auch für die Interessen des Arbeiters.Dann waren da Männer, die erwartungsvoll schwiegen. End war zu weit gegangen. Sie fragten sich, welche Konsequenzen sein Verhalten haben würde. Würde der Leiter von Blackworth die Ankunft des Schwarzen Barons überhaupt noch abwarten? Oder würde er End an Ort und Stelle exekutieren? Das würde den Schwarzen Baron zornig stimmen, zweifellos, aber war die Angst vor ihm größer als vor End? Was würde End tun? Ihr Held, der gefangen genommen worden war. Der vergessen zu haben schien, warum er die Arbeiter einst wirklich angeführt hatte. Würde er zu sich selbst zurückfinden, wenn man ihn dazu zwang? Wenn ihm der Tod drohte? Oder würde er einfach sterben und damit den Krieg für den Schwarzen Baron entscheiden?Die restlichen Männer schwiegen ängstlich. Dieser Mann, der behauptete, End zu sein, war nicht der Held, den sie sich ausgemalt hatten. Sie hatten von ihm gehört. Dass er die Barone in Angst und Schrecken versetzte. Dass er selbst angesichts einer Hundertschaft Soldaten einen kühlen Kopf bewahrte. Und ja, dass er bisweilen grausam war. Er kämpfte wie eine Bestie. Er verlieh den Männern an seiner Seite Mut. Männern, die nie eine Waffe geschwungen, nie mit einem Eisen gefeuert hatten, gab er den Willen, die Soldaten der Königin zu töten. Sie hatten gewusst, dass er vor der Revolution ein Schurke gewesen war. Viele hatten an seinen Absichten gezweifelt, aber für die meisten war er stets ein Mann mit Idealen gewesen. Jemand, der zum Verbrecher geworden war, weil er das Spiel der Barone nicht länger hatte mitspielen wollen. Und war nicht jeder aufständische Arbeiter in den Augen der Barone ein Verbrecher? Aber nach allem, was sie hier gehört hatten, fürchteten sie sich. Nicht vor End, sondern davor, dass alles, woran sie geglaubt hatten, eine Lüge war. []Nach einer Weile räusperte sich der Sänger. "Uns bleibt eine Stunde, bis sie das Frühstück bringen", sagte er und warf eine Zigarette in Ends Zelle. "Wenn du jetzt anfängst, teile ich meine Portion mit dir.""Lass nur", sagte End. "Wenn sie dich erwischen, werden sie dich vermutlich erschießen. Außerdem ist Hunger ein alter Freund von mir." Er hob die Zigarette auf, zündete sie an und nahm einen Zug. "Wo war ich stehen geblieben?"EndWährend meiner schlimmsten Zeit unter dem Einfluss von Perl erwachte ich einige Male nach einem Rausch in den Grotten des Unterrumpfes. Mich weckte jenes eigentümliche Prickeln in den Fingerspitzen, wenn das Gefühl in die Glieder zurückkehrt. Ich fand mich im Neonlicht biolumineszierender Seepocken wieder. Die Umrisse der von Bewuchs überzogenen Wände und verrottender Kisten verschwammen vor meinen Augen. Mir fiel auf, dass ich zitterte, bevor ich merkte, dass ich fror. Die klamme Kälte dieses Ortes war mir in die Glieder gezogen, so tief, dass sie Teil meines Selbst geworden zu sein schien.Doch was ich damals verspürt hatte, war keine Kälte. Im Wagon war es kalt. Wirklich kalt. Die Luft war trocken. Wände und Boden überzogen von Eiskristallen. Im Fell meines Mantels und in meinem Bart wucherte Raureif. Lippen, Hände und Füße färbten sich blau. Meine Eier zogen sich so tief in den Unterleib zurück, dass...
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